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Materialfeuchtemessung in Trocknungsprozessen allgemein: Anforderungen, Sensortypen, Einbaupraxis

Trocknungsprozesse gehören zu den energieintensivsten Prozessschritten in vielen Industrien. Wird zu lange oder zu intensiv getrocknet, steigt der Energieverbrauch unnötig; wird zu wenig getrocknet, drohen Qualitätsprobleme durch Restfeuchte. Inline-Feuchtemessung liefert die Datenbasis, um Trocknungsprozesse kontinuierlich und bedarfsgerecht zu regeln – statt sich auf Stichproben oder feste Trocknungszeiten zu verlassen.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über gängige Messverfahren zur Inline-Feuchtemessung, ordnet sie den wichtigsten Trocknertypen zu und zeigt typische Anwendungsbereiche.

Warum ist Inline-Feuchtemessung in Trocknungsprozessen so wichtig?

Kontinuierliche Trocknungsprozesse sind selten vollständig stabil: Schwankungen in der Ausgangsfeuchte, in der Materialdichte, in der Durchsatzmenge oder in der Umgebungstemperatur verändern laufend, wie viel Trocknungsenergie tatsächlich benötigt wird.

Ohne kontinuierliche Messung wird meist konservativ überdimensioniert getrocknet, um ein Zuviel an Restfeuchte sicher zu vermeiden – das kostet Energie und reduziert den Durchsatz. Inline-Feuchtemessung macht die tatsächliche Restfeuchte am Trocknerausgang oder an Zwischenpositionen sichtbar und ermöglicht eine automatisierte, bedarfsgerechte Regelung von Temperatur, Verweilzeit oder Energiezufuhr.

Messverfahren für die Inline-Feuchtemessung
NIR-/SWIR-Messung

Funktionsprinzip:

Auswertung der materialspezifischen Absorption von Nahinfrarot- bzw. kurzwelligem Infrarotlicht, besonders ausgeprägt bei Wasser im Bereich um 1,5 µm. (Ausführlich erklärt in unserem Artikel „Was ist ein NIR-Sensor?”.)

Vorteile: Berührungslos, schnelle Ansprechzeit, gut geeignet für oberflächennahe Messung an bewegtem Material.

Nachteile: Nur oberflächennahe Messung, empfindlich gegenüber Oberflächenbeschaffenheit und starker Staubentwicklung.

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Mikrowellenmessung

Funktionsprinzip:

Elektromagnetische Wellen durchdringen das Material; Laufzeit- oder Dämpfungsänderungen liefern die Feuchteinformation über den gesamten Materialquerschnitt.

Vorteile: Erfasst die Feuchte im gesamten Materialquerschnitt statt nur oberflächlich, daher gut für Schüttgüter geeignet, weitgehend unabhängig von Farbe und Oberflächenstruktur, robust gegenüber Staub.

Nachteile: Geringere Ortsauflösung, aufwendigere Kalibrierung bei stark schwankender Schüttdichte.

Kapazitive Messung

Funktionsprinzip:

Erfassung der Feuchte über Änderungen der dielektrischen Eigenschaften zwischen Elektroden, meist als Einbausonde direkt im Materialstrom.

Vorteile: Kompakter Aufbau, geringer Wartungsaufwand, für punktuelle Messung an Engstellen (z. B. Austragsschurre) gut geeignet.

Nachteile: Begrenzte Reichweite, empfindlich gegenüber Materialinhomogenität und Einbauabstand.

Widerstands-/Leitfähigkeitsmessung

Funktionsprinzip:

Erfassung der elektrischen Leitfähigkeit des Materials, die mit dem Feuchtegehalt korreliert – meist über Kontaktelektroden.

Vorteile: Einfache, kostengünstige Technik für viele Schüttgüter.

Nachteile: Direkter Materialkontakt erforderlich , abhängig von Materialzusammensetzung und Ionengehalt, weniger geeignet bei stark variierender Materialchemie.

Traversierende Messbalken (Scanning-Systeme)

Funktionsprinzip:

Ein über die Materialbreite traversierender Messbalken führt mehrere Sensorköpfe (meist NIR und/oder Mikrowelle) quer über bahnförmiges Material und erstellt ein vollständiges Querprofil.

Vorteile: Liefert ein vollständiges Feuchteprofil über die gesamte Breite statt nur einen Punktwert, etablierte Basis für automatisierte Profilregelung.

Nachteile: Deutlich höherer Investitions- und Integrationsaufwand, nur für bahnförmige Materialien sinnvoll, meist nur an einer Position wirtschaftlich.

Materialfeuchtemessung
Feuchtemessung
Welches Verfahren für welchen Trocknertyp?

Trocknertyp

Typisches Material

Geeignete Messverfahren

Warum

Bandtrockner

Schüttgut, Fasern, Lebensmittel auf Förderband

NIR, Mikrowelle

Zugänglich von oben, gleichmäßige Materialschicht auf dem Band

Trommel-/Rotationstrockner

Granulate, Schüttgüter

Mikrowelle, kapazitiv am Austrag

Material bewegt sich in geschlossener Trommel, Messung meist am Austritt

Wirbelschichttrockner

Feine Granulate, Pulver

Mikrowelle, NIR am Austragsstrom

Starke Materialbewegung im Trockner selbst erschwert Messung im Inneren

Kontaktzylindertrockner (z. B. Papiermaschine)

Bahnförmiges Material

NIR-Punktmessung, Mikrowelle, Messbalken

Bahnförmiges Material erlaubt punktuelle oder traversierende Messung

Tunneltrockner

Stückgut, Platten, Formteile auf Förderband

NIR, kamerabasierte Zusatzkontrolle

Gleichbleibende Position auf dem Fördersystem ermöglicht gezielte Messpunkte

Sprühtrockner

Feines Pulver am Austrag

Kapazitiv, NIR an der Austragsschurre

Messung im Sprühraum selbst kaum praktikabel, daher Messung am Materialaustritt

Mikrowellentrockner

Verschiedene Schüttgüter

NIR oder kapazitiv (nicht Mikrowelle, da Störung durch Trocknerfeld)

Eigene Mikrowellenenergie des Trockners würde eine Mikrowellenmessung stören

Typische Anwendungen
  • Papier-, Karton- und Tissue-Herstellung: Kontinuierliche Feuchteregelung in der Trockenpartie
  • Lebensmittel- und Futtermittelherstellung: Trocknung von Getreide, Snacks, Flocken oder Extrudaten
  • Holz- und Biomasseverarbeitung: Trocknung von Spänen, Pellets oder Schnittholz
  • Chemische und pharmazeutische Industrie: Trocknung von Granulaten und Pulvern
  • Baustoffindustrie: Trocknung von Sand, Gips- oder Zementvorprodukten
  • Textilindustrie: Trocknung nach Färbe- oder Beschichtungsprozessen
  • Batteriezellfertigung: Trocknung beschichteter Elektrodenfolien
Auswahlkriterien für die passende Messtechnik
  • Materialform: Bahnförmig, granulat- oder pulverförmig, Stückgut
  • Zugänglichkeit im Trockner: Messung im Trockner selbst möglich oder nur am Ein-/Austritt sinnvoll
  • Erforderliche Eindringtiefe: Oberflächenfeuchte oder Feuchte im gesamten Materialquerschnitt
  • Umgebungsbedingungen: Staub, Temperatur, ggf. Störfelder durch Mikrowellentrocknung
  • Erforderliche Ortsauflösung: Einzelner Messpunkt oder vollständiges Querprofil
  • Regelungsziel: Einfache Grenzwertüberwachung oder automatisierte, kontinuierliche Prozessregelung
Häufige Fragen zur Inline-Feuchtemessung in Trocknungsprozessen
Kann die Feuchte direkt im Trockner gemessen werden, oder nur am Ein-/Austritt?

Das hängt vom Trocknertyp ab. Bei Bandtrocknern ist eine Messung direkt über dem Material möglich, bei Trommel-, Wirbelschicht- oder Sprühtrocknern ist die Messung meist nur am Materialaustritt praktikabel, da das Trocknerinnere nicht zugänglich oder die Materialbewegung zu stark ist.

Die eigene Mikrowellenenergie des Trockners würde die Messung stören bzw. verfälschen. Hier sind Verfahren wie NIR oder kapazitive Messung, die auf einem anderen physikalischen Prinzip beruhen, die bessere Wahl.

Bei gleichmäßig verteiltem Material genügt oft ein einzelner Messpunkt. Bei bahnförmigem Material mit möglichen Unterschieden über die Breite liefert ein traversierendes Messbalken-System zusätzliche, wertvolle Information.

Je nach Messprinzip und Einbauort liegt die Ansprechzeit im Bereich weniger Sekunden, was für eine wirksame automatisierte Regelung der Trocknerleistung notwendig ist.

Inline-Feuchtemessung von Sensorik Austria

Je nach Trocknertyp und Material setzt Sensorik Austria unterschiedliche Sensorsysteme ein: SensoWeb „moist“, das Komplettpaket in heady-duty Ausführung für die punktuelle Inline-Feuchtemessung in Papiermaschinen, sowie tri²dent „moist“ für die Materialfeuchtemessung in Trocknungsprozessen abseits von Papiermaschinen.